09.11.2011

Die Dritten werden die Letzten sein?


Vor kurzem ließ John Riccitiello, CEO von Electronic Arts (kurz EA, nach Nintendo der zweitgrösste Spiele-Publisher), verlauten, dass die Situation von Third-Parties auf der Wii frustrierend sei. Nintendo würde Dritthersteller zu wenig unterstützen und nur die eigenen Produkte in den Mittelpunkt stellen.

Was ein Third-Party ist? Es gibt in der Spieleentwicklung drei verschiedene "Parteien": First-, Second- und Third-Party-Entwickler. First-Party-Spiele sind solche die direkt vom Hersteller der Konsole kommen: Mario Galaxy, Zelda usw. werden von Nintendo-Mitarbeitern selber entwickelt. Second-Party-Spiele dagegen werden nicht direkt von Nintendo entwickelt, aber in deren Auftrag produziert (z.B. wurde Square-Enix von Nintendo beauftragt Mario Sports Mix zu entwickeln). Third-Party-Spiele werden vollkommen unabhängig von Nintendo entwickelt.

Tatsächlich konnte EA auf der Wii keine großen Erfolge verzeichnen, die Wii-Spiele dieser Firma wurden den Händlern bis auf wenige Ausnahmen nicht gerade aus den Händen gerissen. Woran liegt es denn nun das EA es nicht schafft bei 85 Millionen verkaufter Wii-Konsolen Spielehits für diese zu produzieren?

Betrachtet man die bisherigen Entwicklungen von EA für die Wii, dann fällt auf, das EA hier keine konsequente Linie verfolgt, sondern viel experimentiert. Im Grunde ist es ja löblich, wenn ein Riesenkonzern wie EA, der gemeinhin als wenig innovativ und beweglich gilt, versucht auf der Wii Neuerungen auszuprobieren. Doch dieses Spiel treibt EA nun seit einigen Jahren. Die beliebte Fifa-Reihe wurde so auf der Wii fast totgeritten, weil keine einheitliche Linie zu erkennen ist, so das Käufer von Fifa 10 vielleicht nach dem Kauf von Fifa 11 enttäuscht sind, weil das Spiel wieder mal stark umgemodelt wurde, viele Fans der Serie lassen daher die Wii Version nun ganz liegen. Wenn sie keine andere Konsole haben, lassen sie vielleicht sogar die ganze Fifa-Reihe links liegen. Ein anderes Beispiel ist die auf der Wii recht erfolgreiche Harry-Potter-Spielereihe. Während die ersten paar Spiele Rätsel- und Actionabenteuer boten, wurde der neueste Streich plötzlich zu einem Simpelballerspiel mit scheußlicher Steuerung und Grafik (nicht zu verwechseln mit dem guten Lego Harry Potter der von Warner Interactive stammt!).


Im Actionbereich hat sich EA nur einmal mit einem größeren Projekt auf der Wii versucht: Mit dem Spiel Dead Space: Extraction (2009) ist dann auch ein Glanzstück gelungen. Aber Extraction hatte einige Verkaufsprobleme, die aber jeder Marktbeobachter hätte vorhersehen können: Das Spiel erzählt die Vorgeschichte von Dead Space, eines Spiels das 2008 nicht für die Wii sondern nur für den PC und einige anderen Konsolen erschien und von Actionliebhabern zwar hochgelobt wurde, aber kommerziell nicht erfolgreich war. Was zusätzlich viele Spieler abgeschreckt haben dürfte ist die Tatsache, dass es, im Gegensatz zum ersten Spiel, als Rail-Shooter konzipiert wurde, ein Genre das bei vielen Ballerspielfreunden nur bedingt beliebt ist. Zudem erschien das Spiel zu einem Zeitpunkt als gerade mehrere nahmhafte Rail-Shooter den Wii Markt erreichten. Extraction wurde damit zu EAs wohl größtem Flop auf der Wii, aber so etwas muss jeder Publisher mal verkraften, auch Nintendo legte schon mal eine Bauchlandung hin, z.B. mit dem ungewöhnlichen Disaster: Day of Crisis.

EAs letzte Projekte für die Wii kann man dagegen getrost schon als Frechheit einstufen, mit billig produzierten Spielen mit "großen" Namen wird versucht Reibach zu machen: Die Sims 3 und Need for Speed: Hot Pursuit sind schlecht und billig produzierte Machwerke. Gerade bei letzterem ist das ärgerlich, da der Vorgänger Need for Speed: Nitro ein gelungenes Rennspiel war das sich auch ordentlich verkaufte. Aber hier schlägt vielleicht schon die momentan finanziell prekäre Lage von EA durch, die Firma hat seit dem September 2009 über tausend Mitarbeiter entlassen.

Die Klage von Riccitiello, dass Nintendo sie zu wenig unterstütze, wirkt daher wie ein Schwanengesang und bleibt außerdem Waage. Möchte Riccitiello etwa, dass Nintendo erfahrenen Spielemacher EA zur Unterstützung schickt? Oder möchte er das Nintendo das Marketing für die EA-Spiele übernimmt? Das Nintendo wenig Interesse hat z.B. EA Sports Active zu promoten, einen direkten Konkurrenten zu Wii Fit aus dem eigenen Hause ist wohl verständlich und ansonsten kam im Jahre 2010 nichts bemerkenswertes von EA. Was sollte Nintendo dazu bewegen die o.g. Machwerke auch noch zu promoten? Personelle Unterstützung würde EA auch nicht helfen, es gibt noch genug kreatives Potential im eigenen Haus. Riccitiello sollte einfach nur mehr Zeit und Geld in Wii Projekte zu investieren, damit diese mit der Konkurrenz mithalten können.


Dabei unterstützt Nintendo durchaus auch andere Spielepublisher, am liebsten natürlich, wenn deren Spiele nicht mit dem eigenen Portfolio kolidieren. Activisions James Bond-Ballerspiel Goldeneye 007 stellte Nintendo auf der Videospielmesse E3 2010 in der eigenen Präsentation vor. Monster Hunter 3 vom japanischen Publisher Capcom publizierte Nintendo sogar selbst im Westen. Aber auch das Disney-Spiel Micky Epic promotete Nintendo, obwohl es dieselbe Zielgruppe anspricht, wie die Mario-Spiele aus dem eigenen Hause.

Tatsache ist aber, das die Third-Parties es auf der Wii schwerer haben als auf anderen Konsolen. Das liegt vor allem daran, das Nintendo selber fleissig Spiele produziert, die zudem meistens eine hohe Qualität haben. Zwar gibt es auch für die Xbox360 oder die PS2/PS3 First-Party-Titel, doch die Spiele von Sony und Microsoft stechen meist nicht sonderlich aus der Masse heraus. Tatsächlich sind viele der erfolgreichsten Spieleserien für die Playstation und die Xbox von Drittherstellern.

Nintendo dagegen veröffentlichte im letzten Jahr Spiele aus vielen verschiedenen Genres für die Wii. Von Endless Ocean 2 über Sin and Punishment, Mario Galaxy 2 und Metroid Other M bis hin zu Donkey Kong Country Returns und Kirby (in den USA und Japan in 2010, bei uns erst im Februar 2011) erschien ein Spiel nach dem anderen, von denen die meisten sehr viel Kritikerlob einheimsten. Wenn die Third-Parties damit konkurrieren wollen, sollten sie sich, auf solche Genres spezialisieren die Nintendo kaum abdeckt, wie z.B. Activision es mit den Ballerspielen macht (Goldeneye und Call of Duty: Black Ops), oder bei direkten Konkurrenzangeboten wenigstens ähnlich hohe Qualität wie Nintendo bieten, wie Disney mit Micky Epic oder THQ mit de Blob. Beides schafft EA offensichtlich nicht.

Eine Anekdote am Rande: Riccitiello hat auch noch dazu angeregt den Preis der Wii auf 99 Dollar zu senken, dann würden sich mehr Leute die Konsole kaufen und damit auch mehr Leute EA-Spiele kaufen. Die Aussage ist so sinnvoll wie zu behaupten, das der Himmel blau ist. Leider wurde es versäumt ihn zu Fragen warum EA-Spiele nicht für 9 Dollar verkauft werden.

Die Dritten sind nicht immer die Letzten, wie erfolgreiche Third-Parties auf der Wii beweisen. Riccitiello und EA werden das hoffentlich auch noch lernen und die Schuld für schleppende Verkäufe nicht bei Nintendo suchen sondern bei der eigenen Spielequalität.

Insgesamt ist es jedenfalls erfreulich das der Verkauf von schlechten Billigspielen, wie sie leider auch EA größtenteils produziert, im Jahr 2010 zurückging und qualitativ hochwertigere Spiele auf der Wii Erfolge verzeichnen konnten, sowohl solche von Nintendo als auch von Drittanbietern.



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