07.07.2011

Die Wii U und die Dritthersteller





1. Einleitung: Alte Probleme

Die Wii hat ein Problem: Die mangelnde Unterstützung der Dritthersteller (Third Party), d.h. Spieleentwicklern die weder bei Nintendo arbeiten (First Party) noch im Auftrag von Nintendo Videospiele entwickeln (Second Party).

Die Gründe für die mangelnde Unterstützung sind vielfältig, zunächst einmal hatten die sogenannten Third-Parties Anfangs nicht an den Erfolg der Wii geglaubt und konnten vielfach erst spät auf den rasenden Wii Zug aufspringen. Außerdem hatten sie ihre sämtlichen Entwicklungswerkzeuge schon auf die hochauflösende Grafik und Rechenleistung der diesbezüglich überlegenen Systeme Playstation3 und Xbox360 abgestimmt. Zudem hatten die Third-Parties das Problem, dass ihre grafisch aufwendigen PS3/Xbox360-Spiele sich nur mit hohen Aufwand auf die Wii portieren liessen.

Erst nach mehreren Jahren, und schleppenden Verkäufen der Konkurrenzkonsolen, waren viele der Third-Parties dann schließlich so weit größere Wii Projekte in Angriff zu nehmen. Manche beklagten sich über mangelnde Unterstützung seitens Nintendo und die fast allesamt sehr erfolgreichen Nintendo Eigenproduktionen für die Wii saugten viel Kaufkraftpotential aus dem Markt und kamen dabei oft terminlich mit den Third-Party-Spielen ins Gehege.

Saturo Iwata
Das Wii Spiel Xenoblade

Das Jahr 2010 war zwar für Wii Spieler ein hervorragendes mit vielen Top-Titeln sowohl von Nintendo als auch von den Drittherstellern, doch seit Anfang 2011 herrscht weitestgehend Ebbe an der Spielefront. Zwar hat Nintendo noch einige absolute Hochkaräter in Vorbereitung, z.B. Xenoblade, The Legend of Zelda - Skyward Sword, Mario Party 9, Pandoras Tower und The Last Story, und jedes einzelne dieser Spiele wäre wohl schon ausreichend neue Wii-Käufer anzulocken und bestehende glücklich zu machen, aber wieder handelt es sich alles nur um Nintendo Eigenproduktionen und zwischen den Erscheinungsdaten dieser Spiele werden vermutlich einige Monate liegen.

2. Überraschende Ankündigungen

Saturo Iwata
Nintendos Präsident: Sakuro Iwata
Am 6. Juli 2011 wurde die 71. Aktionärshauptversammlung abgehalten und der Nintendo Präsident Saturo Iwata nahm zu diesem Problem Stellung. Im Bezug auf die Wii U und den 3DS sprach er von einem völlig neuen Umgang mit den Drittherstellern. Nintendo unterstütze diese bereits konsequent, so würden die Third-Parties bereits seit Monaten mit Wii U-Entwicklungskits versorgt und arbeiteten bereits an Wii U und 3DS-Spielen, dabei arbeite Nintendo eng mit den Entwicklern zusammen. Dank der starken Wii U-Hardware wären Portierungen vom PC oder PS3/Xbox360 zudem kein Problem mehr. Sogar die Veröffentlichungstermine eigener Spiele will Nintendo besser mit den Publishern der Third-Party-Spiele abstimmen.

Die überraschendste Ankündigung war aber sicherlich das Nintendo es nicht mehr grundsätzlich ausschließe Geld für die Exklusivität mancher Third-Party-Spiele oder zusätzlicher Spieleinhalte zu bezahlen.

3. Revolution?

Das Nintendo die Third-Parties besser unterstützen will wurde bereits seit 2010 deutlich. Nintendo übernahm den Vertrieb einiger Third-Party-Spiele z.B. von Monster Hunter 3 und unterstützte die Entwickler von Goldeneye. Beim Start des 3DS gab es keinen "großen" Nintendo-Titel, damit die Spiele der Third-Parties nicht unter der Konkurrenz leiden. Als dann auch noch bekannt wurde, dass die Wii U-Entwicklungskits schon seit Monaten im Umlauf sind, ließ das Branchenkenner aufhorchen, das alles klang so gar nicht nach Nintendo, der Firma die sich bislang doch immer sehr auf eigene Spiele konzentriert hatte.

In den letzten Jahren wurde klar das Nintendo alleine eine Konsole nicht durchgehend mit Spielen versorgen kann. Zwar produzierte Nintendo so viele Spiele für die Wii wie für keine Konsole zuvor, doch trotzdem gab es immer wieder Durststrecken so beschwerten sich manche Spieler schon seit dem Wii-Launch 2006 dass es an stetigen Spielenachschub mangele. Dieser ist zum einen nötig um bereits vorhandene Spieler bei der Stange zu halten und andererseits neue Käufer auf die Konsole aufmerksam zu machen.

Die Ankündigung für die Exklusivität mancher Third-Party-Spiele zu zahlen sorgte wieder für offene Münder. Bei Microsoft und Sony ist so etwas gang und gäbe, was bei diesen Firmen allerdings daran liegt, dass sie nur wenige zugkräftige Eigenmarken haben und sich deshalb Spiele einkaufen müssen. Nintendo dagegen hat ein großes Portfolio von erfolgreichen Spieleserien.

4. Neue Fehler?

Wii U ControllerWii U Controller mit einer Videochat-Anwendung
Das die Wii U ein Erfolg werden wird, daran zweifelt angesichts dieser Unterstützung kaum noch jemand. Eine Konsole auf der man alle wichtigen Third-Party-Spiele und dazu noch die erfolgreichen Nintendo-Serien auf einen Schlag hat und das zudem in hoher grafischer Qualität? Das verdammt geradezu zum Erfolg. Oder?

Das Nintendo bei diesem Drittherstellerunterstützungskurs aber auch Fehler macht ist offensichtlich. Das kein großes Nintendo-Spiel beim Start des 3DS-Verkaufs angeboten wurde, war einer dieser Fehler und etwas zu viel entgegenkommen gegenüber den Drittherstellern, allerdings hat Nintendo das schon eingesehen und so wird sich das beim Wii U-Start sicher nicht wiederholen.

Die Ankündigung für Exklusivspiele zu bezahlen könnte ein weiterer Fehler sein, je nachdem wie Nintendo das handhabt. Microsoft hat zum Anfang der Xbox360-Ära ebenfalls viele Exklusivspiele gekauft, doch nun zeigt sich, dass solche Käufe ein zweischneidiges Schwert sind, solange man die Rechte an den Spielen nicht besitzt. Vormals Xbox360 exklusive Spiele wie die erfolgreiche "Mass Effect"-Serie (Ballerspiele mit leichtem Rollenspieleinschlag) gibt es nun auch für die Konkurrenz und nächstes Jahr vermutlich auch für die Wii U. Geschickt ausgewählte Exklusivkäufe könnten den Erfolg der Wii U aber sicherlich unterstützen.

5. Fazit

Der neue Kurs von Nintendo trägt offensichtlich zahlreiche Früchte. Viele der bekannten PC/PS3/Xbox360-Großprojekte für 2012 werden auch für die Wii U erscheinen, teilweise in einer erweiterten Fassung. Die Entwickler von Darksiders 2 lobten kürzlich die Wii U, es habe gerade mal fünf Wochen gedauert das vorher nur für die PS3/XBox360 in Produktion befindliche Spiel auf die neue Konsole zu portieren, nun mache man sich daran das Spiel zu verbessern.

Große Firmen wie EA, die kürzlich neben den erfolgreichen Sportspieleserien auch wieder in aufwendigere Projekte investieren, haben eine Partnerschaft mit Nintendo angekündigt, dabei gehörte EA bislang noch zu jenen die Nintendo wegen mangelnder Unterstützung gescholten haben. Der CEO (Geschäftsführer) von EA gibt sich sogar euphorisch, die Wii U übertreffe alles bisher dagewesene. Besonders der Tablet-Controller hat es ihm angetan: Damit sei es möglich Angriffsmuster in Sportspielen festzulegen oder Luftschläge in einem Shooter, seine Entwickler hätten jeden Tag neue Ideen.

Den Wii U Käufern kann es egal sein ob Nintendo nun viel Geld für Exklusivrechte ausgibt oder nicht, die Hauptsache ist ein stetiger, abwechslungsreicher Strom neuer Spiele, aus dem man sich die passenden herauspicken kann. Allerdings sollte man nicht darauf hoffen, dass sich auf der "alten" Wii diesbezüglich, bis auf die o.g. genannten Nintendo-Spiele noch viel tut. Der Spielenachschub für die Wii U scheint aber so oder so gesichert und das bereits viele Monate bevor die Konsole erscheint. Ein Novum in der Spielebranche.

Quellen:
nintendo.co.jp
gamespot.com
gameinformer.com
joystig.com
industrygamers.com


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