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30.09.2013

Warum die Videospielpresse oftmals versagt





1. Einleitung: Warum die Spielepresse nur an bestimmten Arten von Spielen gefallen finden kann

Es gibt Spiele, da freut sich ein durchschnittlicher Spieletester, zum Beispiel wenn es darum geht den neuesten Shooter zu testen. Man weiß, was man von einem Ballerspiel erwarten kann, man glaubt zu wissen, was die Zielgruppe erwartet und man kann das Spiel mit unzähligen anderen ähnlichen Spielen vergleichen und deren Wertung als Grundlage nehmen. Es sind Spiele bei denen die Geschichte im Vordergrund steht und man einfach nur "mitspielt" während die Handlung läuft. Das Ziel besteht vor allem darin das Spiel durchzuspielen, um das Ende der Story zu erfahren. Solche Spiele unterscheiden sich nicht sehr von einem Film. Die meisten Spiele heutzutage sind im Grunde auf dieses Format geeicht, solche Ballerspiele, ob nun GTA (Grand Theft Auto) oder Call of Duty, das sind die Spiele, die sich schnell und effizient testen lassen und man kann sich spätestens nach einer Stunde Spielzeit dem Schreiben des Artikels widmen.


Bei solchen Spielen gibt es Kriterien die ein Spieletester der Reihe nach abhaken kann. Vor allem die (technische) Qualität der Grafik und die Spannung der Geschichte stehen hierbei meistens im Vordergrund. Die Steuerung hingegen ist sowieso immer gleich, die Knöpfe und Sticks erfüllen immer denselben Zweck, egal welches Ballerspiel man sich vornimmt. Änderungen an dieser Steuerung werden schneller mit niedrigeren Wertungen abgestraft, als dass ein Spieleentwickler "Innovation" rufen kann. Tatsächlich ist es bei vielen solcher Spiele kaum mehr nötig sie zu testen, man startet das Produkt einmal kurz um die Grafik zu beurteilen (manchen reichen hierfür offensichtlich auch Fotos oder Videos), den Rest kann man anhand von Feature-Listen abhaken und dann den Test aus den üblichen Textbausteinen zusammensetzen. Das Prinzip gilt übrigens nicht nur für Shooter-Spiele, auch die meisten Rollenspiele, die heutzutage ja meist nur Shooterspiele mit mehr Herumgelaufe und Handlung sind, kann man so vermeintlich leicht beurteilen.

Viele Spieler wollen genau das, sie wollen ein bisschen herumballern, toll inszenierte Action sehen, und dabei einer Story folgen. Wer so etwas sucht kann oftmals ohne weiteres den Wertungen der Tester folgen. Das diese "Filmspiele" häufig nicht ohne Grund am Beginn durch tolle Grafik und spannend inszenierte Szenen beeindrucken, aber dann im weiteren Spielverlauf immer mehr in Belanglosigkeit versanden und zum Ende hin nochmals aufdrehen, ist auch kein Zufall. Größere Videospielpublikationen bekommen oftmals spezielle Testexemplare bei denen man in der Handlung vorspringen kann, damit der Tester nicht viel Zeit investieren muss. Sich den Anfang und das Ende eines Spieles anzusehen, entspricht dabei offensichtlich am ehesten dem Verhalten eines durchschnittlichen Spieletesters und mehr ist bei den kurzen Abgabefristen auch kaum zu bewältigen.

Sehr leicht ist es auch einen Test zu schreiben, wenn ein neues Spiel aus einer bekannten Reihe kommt. Egal ob nun GTA oder Mario Bros, es gibt gute Vergleichsmöglichkeiten und meistens kann man sowieso davon ausgehen, dass die Entwickler liefern, was die Fans wollen. Bei solchen "Multimillionensellern" wagen es selbst Entwickler wie Rockstar oder Nintendo nicht, grundlegende Spielelemente zu verändern. Daher sind die Spieletests hierzu schnell geschrieben. Verrisse solcher Spiele wird jemand nur schreiben, wenn dazu die Anweisung "von oben" kommt, damit die dadurch entstehende Aufmerksamkeit hoffentlich in hohen Besucherzahlen mündet.

Schwieriger wird die Beurteilung bei anderen Spielegenres und Produkten abseits der erfolgreichen Serien. Es gibt auch Spiele, die spielt man nicht um Actionszenen anzusehen, sondern die spielt man, um herausgefordert zu werden. Die Freude am Spiel entsteht hier nicht nur durch das Zusehen und die Freude an hübscher bzw. bombastischer Grafik, sondern dadurch, dass man selber spielt und zum Beispiel die Steuerung mit der Zeit neue Tricks und Kniffe offenbart. Hierfür sind ein beliebtes Genre die Jump&Run-Spiele. Die Qualität eines solchen zu beurteilen ist nach den o.g. Kriterien nicht möglich. Die Grafik ist hierbei nebensächlich, es geht vornehmlich um interessantes Leveldesign, um das zu beurteilen muss man das jeweilige Spiel aber tatsächlich zeitraubend testen.

Wer sich als Spielejournalist wirklich Zeit nimmt für solch ein Spiel, ist sich meist schmerzhaft bewusst, dass er im gleichen Zeitraum drei Ballerspiele oder etwa zwanzig durchschnittliche Smartphone Spiele bewerten könnte. Oftmals hat es allerdings den Anschein, als ob viele Spieletester sowieso wenig darüber Nachgrübeln, was sie da überhaupt machen. Sie versuchen alle Spielegenres nach dem gleichen Schema zu bewerten, am Ende kommt dabei nicht wirklich brauchbares heraus, aber sie können den Test pünktlich abliefern.

2. Was die Spielepresse nicht kann

Zum Leidwesen vieler professioneller Spieletester gibt es aber auch Spiele, die sich jeder Schublade entziehen. Ein Beispiel ist das kürzlich erschienene The Wonderful 101. Vorweg sei gesagt, dass man dieses Spiel durchaus schlecht finden kann, aber dessen Tests zeigten deutlich auf welchem verlorenen Posten viele Tester bei einem Spiel stehen, das etwas abseits der Norm liegt und dessen voller Umfang sich nur langsam entfaltet.

Was für dieses Spiel teilweise an hanebüchenen Testberichten abgeliefert wurde spottet jeder Beschreibung. Da wurde bemängelt, dass das Zeichnen der Unity-Formen (um besondere Fähigkeiten während des Kampfes zu benutzen) nur auf dem Touchpad möglich wäre, ohne auch nur darauf einzugehen, dass man diese auch mit dem rechten Stick zeichnen kann. Es wurde bemängelt, dass jene Formen sich nicht zeichnen lassen, wenn Gegner im Weg stehen. Manche forderten sogar ein Auswahlmenü, damit man zu jedem Zeitpunkt die gewünschte Form wählen kann, wie die neueste Waffe in einem simplen Shooter. Es wurde sogar der "Wusel-Aspekt" bemängelt, denn wozu benötigt man die vielen Helden auf dem Schirm? Ein Held hätte doch auch gereicht.


Jeder Spieler der W101 länger als eine Stunde gespielt hat, kann über solche Tests nur den Kopf schütteln, unabhängig davon, ob er die Spielstunden nun genossen hat oder nicht. Eigentlich wird jedem, der sich ein wenig mit dem Spiel befasst schnell klar, dass das Zeichnen der Unity-Formen, zusammen mit dem Umstand, dass es manchmal einfach nicht möglich ist, zum Spielprinzip gehört. Ebenso, dass die vielen Helden und die Möglichkeit diese in verschiedenen Formen anzuordnen, auch außerhalb des Kampfes, ein integraler Bestandteil des Spiels ist. Dass die Kraft der Unity-Formen zunimmt mit der Anzahl der verwendeten Helden, und man die Helden auch gleichzeitig für verschiedene Formen verwenden kann, wurde oftmals nicht verstanden, manchmal offensichtlich gar nicht bemerkt. Wer The Wonderful 101 spielt wird sicherlich nicht sofort verstehen welche Möglichkeiten das komplexe Kampfsystem bereit hält. Oftmals wird es wohl sogar mehrere Stunden dauern bis es die ersten "Aha-Momente" gibt. Bis dahin macht das Spiel auch Spaß, aber ab diesem Zeitpunkt wird man es mit anderen Augen sehen.

Ein anderes schwieriges Kapitel für Spieletester sind natürlich Spiele für mehrere Spieler. Während man den Online-Mehrspielermodus von Ballerspielen und Rennspielen noch recht einfach beurteilen kann. Hier geht es ja weniger um das gemeinsame Spiel, sondern darum, dass sich die Gegner nicht wie eine (auch heute noch blöde) "künstliche Intelligenz" verhalten, wird es bei Coop- oder Party- und Familienspielen aber schon kritisch. Die Qualität von Nintendo Land kann man nicht beurteilen, indem man es in seinem stillen Testkämmerlein spielt. Aber der Test im größeren Kreis, so denn überhaupt passende Spieler vorhanden sind, wäre wiederum zeitaufwendig und bis zum Abgabetermin oftmals kaum zu schaffen. So versuchen sich die Tester dann vorzustellen, wie es wohl wäre wenn ... ein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen.

Es gibt noch weitere Aspekte die auf einen Test einwirken. Bei großen Publikationen ist häufig, aus verschiedenen Gründen, der "Druck von oben" vorhanden, einem Spiel eine bestimmte Wertung zu geben. Der arme Tester muss dann seinen Artikel so formulieren, dass er irgendwie zu der angeordneten Wertung passt. Oftmals fehlt auch einfach die Lust: Wer mal zu dem Beruf fand weil er Jump&Runs oder Rollenspiele mag und dann ständig dumpfe Shooter oder lustige Partyspiele testen muss, resigniert irgendwann und hakt einfach nur noch seine Checkliste ab ... und das ist in dieser Branche mittlerweile eher die Regel als die Ausnahme.

3. Fazit: Der Unterschied zu einem "richtigen" Spieler und zu anderen Medien

Man kann sich natürlich die Frage stellen, ob der durchschnittliche Spieler nicht ebenso tickt wie der durchschnittliche Spieletester und ähnlich bewerten würde? Nein, das ist nicht so. Wer ein Partyspiel kauft, will es mit anderen Leuten spielen. Wer ein neues Spiel beginnt, wird währenddessen kaum eine Checkliste im Kopf haben und in Gedanken schon seinen Artikel formulieren. Er wird nicht nach einer Stunde den Controller aus der Hand legen und das Spiel abschließend beurteilen müssen. Er wird nicht spielen, weil er muss, sondern weil er will, und schon alleine deshalb, dass jeweilige Spiel mit ganz anderen Augen sehen.

Während gute Film- oder Musikkritiker immerhin die Chance haben das gesamte Werk in annehmbarer Zeit tatsächlich zu sichten, ist das bei vielen Videospielen, die meistens eine Spielzeit von mehreren bis über 100 Stunden haben können, praktisch unmöglich. Manche Spiele entfalten ihre volle Pracht erst nach zwei Stunden Spielzeit, manche bieten schon am Anfang alles auf was möglich ist, um zu beeindrucken, um dann im weiteren Spielverlauf zu veröden.

Außerdem werden Spieletests nur selten von Personen geschrieben werden, die die gleichen Anforderungen an ein Spiel haben wie man selber, sondern oftmals sogar von Personen die weder Lust auf - noch genug Zeit für - das Testprodukt hatten. Zudem ist es gang und gäbe das voneinander abgeschrieben wird. Viele der in den letzten Jahren hochgelobten Titel versanden schnell in Langeweile und viele Spiele die in den Tests nur durchschnittlich oder gar schlecht abgeschnitten hatten, konnten trotzdem enorm viel Spaß machen. Aber nicht wenige potentielle Käufer wurden sicher durch schlechte oder mittelmässige Testresultate abgeschreckt.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Spieletests nur einen sehr begrenzten Nutzen bei der Auswahl eines Spiels bieten können. Sinnvoller sind Informationen in Spieleforen, Bewertungen von anderen Käufern der Spiele, oder gar Empfehlungen durch Bekannte. Auf der Wii U ist oftmals ein Blick in den Miiverse-Bereich der jeweiligen Spiele erhellender als fünf "professionelle" Tests zu lesen.

Auf zimmer101.de werden die Spiele nicht in Wertungsschubladen gesteckt, sondern es werden die schlechten Spiele von vornherein aussortiert, was bleibt sind die guten Spiele für das jeweilige System, die auf jedenfall einen Blick lohnen, wenn man das Spielegenre mag. Mit den Kommentaren der Spieler und jenen auf amazon, kann man sich dann ein gutes Bild des Spiels machen.

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